Traumatisierungen Seit
1987 gehört die Arbeit mit an Traumatisierungen leidenden Patientinnen und Patienten
zu einem Arbeitsschwerpunkt der Abteilung Psychosomatik/Psychotherapie in der Wicker-Klinik Bad Wildungen.
Für Patientinnen nach erlebter sexueller Gewalt (so genannter Missbrauch) in der
Kindheit stehen 50 Behandlungsplätze zur Verfügung, für den Bereich akute Traumatisierungen sind es 10 Plätze. Im Bereich akute Traumatisierungen
behandeln wir Menschen, die in ihrem beruflichen und privaten Umfeld Gewalt
erlebt oder mit Gewalt konfrontiert werden und Menschen, die zum Beispiel Unfälle
hatten und diese nicht verarbeiten können. Wie entstehen Traumatisierungen?
Zu
Traumatisierungen führt
ein Ereignis dann, wenn bedrohliche Situationsfaktoren die individuellen Bewältigungsmöglichkeiten
übersteigen. Dies kann zu einem Gefühl von Ohnmacht und schutzlosem
Ausgeliefertsein führen und das Selbst- und Weltbild dauerhaft erschüttern.
Solche Ereignisse können zum Beispiel Überfälle, Vergewaltigung, Unfälle,
Folter und Geiselnahme sein. Auch Augenzeuge von einer Gewalttat oder von
schweren Unfällen zu sein, können
Traumatisierungen zur Folge
haben.
Traumatisierende
Erfahrungen sind für Menschen gleichbedeutend mit extremem Stress. Die
physiologische Reaktion bei extremem Stress hat Auswirkungen auf das menschliche
Gehirn, die auch die daraus entstehende Symptomatik erklärlich macht.
Sie
führt unter anderem dazu, dass ein Bereich des Gehirns, der so genannte
Hippocampus, der uns hilft Dinge zu integrieren und archivieren, dysfunktional
wird und ein anderer Hirnbereich, die Amygdala (Mandelkern) die Ängste, die Gefühle
und Sinneseindrücke dieser Situation abspeichert ohne zeitliche Zuordnung. Auslösereize,
die an die Traumatisierungen erinnern, führen dann immer wieder dazu, dass das qualvoll
Erlebte getriggert wird, das heißt, der oder die Betroffene wird von
Diese
Überflutung nennt man Intrusion oder auch Flashback. Diese Flashbacks sind ein
Teil der Symptomatik der so genannten
Posttraumatischen Belastungsstörung.
Hinzu kommen noch Schlafstörungen
mit Alpträumen, vor dem Hintergrund des anhaltenden Gefühls von Betäubtseins,
Hypervigilanz und Depressionen. Frühe
Traumatisierungen in der
Kindheit führen häufig zur Entwicklung von so genannten Frühen Störungen wie
der Borderline - Persönlichkeitsstörung oder der Narzisstischen Störung.
Unter einer Borderline - Störung versteht man eine schwere Störung der so
genannten Ich-Funktionen. Die Betroffenen haben zum Beispiel große Probleme in
der Beziehungsgestaltung. Da sie nie gute und stabile Beziehungen kennengelernt
haben, müssen sie zwischen guten und schlechten Objekten spalten. Es gibt nur
schwarz oder weiß. Gefühle werden oft abgespalten, häufig bekommt nur die große
Wut Raum, die zur Abwehr von Nähe und Beziehung führt. Das
lang andauernde Ausgeliefertsein in seelischen Extremsituationen, zum Beispiel
als Geisel oder Opfer ritueller Gewalt, kann zu Andauernden Persönlichkeitsveränderungen
nach Extrembelastung führen. Diese Störung ist gekennzeichnet durch eine äußerst
feindliche und misstrauische Haltung gegenüber der Welt, durch soziale Leere
und Hoffnungslosigkeit sowie ein chronisches Gefühl der Anspannung bei ständigem
Entfremdungsgefühl. Ebenso kann es zu
Dissoziativen Störungen kommen, bis hin
zur
Dissoziativen Identitätsstörung (DIS) – früher
multiple Persönlichkeiten.
Häufig sind es auch viele körperliche Symptome, die Gewaltopfern die Bewältigung
des Alltags schwer machen, zum Beispiel als chronische Schmerzerkrankung oder
Somatisierungsstörung. Frauen, die mit Folgen sexualisierter Gewalt zu uns in die stationäre Aufnahme in die Abteilung Psychosomatik/Psychotherapie der Wicker-Klinik kommen, sind häufig bereits in frühester Kindheit trauma tisiert. Wir benutzen in der Wicker-Klinik den Begriff der sexualisierten Gewalt und nicht den des sexuellen Missbrauchs, da der Begriff des sexuellen Missbrauchs Frauen bzw. Kinder als Gebrauchsgegenstand und zu missbrauchbaren Objekten degradiert. Zudem gibt es durch die Diagnose keinen Hinweis auf Pathogenese und Behandlung. Für trauma tisierte Frauen bieten wir ein spezifisches Therapieangebot an. Wir orientieren uns hierzu wie in allen anderen therapeutischen Bereichen an den gängigen Leitlinien zur Traumatherapie.
Traumatherapie
Die
Traumatherapie generell gliedert sich in drei Abschnitte. Die
Stabilisierungsphase, die Phase der Traumakonfrontation und die
Integrationsphase. Die meisten Patientinnen, die in die Wicker-Klinik kommen,
befinden sich in einem seelisch sehr labilen Zustand, so dass die Stabilisierung
im Vordergrund steht.
Die
Patientinnen erlernen in dieser Zeit wichtige Imaginationsverfahren, die
hilfreich sind, um mit den Überflutungen mit
traumatischem Material, so
genannten Flashbacks, besser umgehen zu können. Weiterhin erarbeiten sich die
Patientinnen Notfall-Listen, erlernen Distanzierungstechniken und
Entspannungsverfahren. Aufgrund der tiefen Verunsicherung der Patientinnen, die
Traumata
Die
eigenen Ressourcen sind Therapieschwerpunkte in allen Therapiebereichen der
Psychosomatischen Abteilung. Die Patientinnen und Patienten werden unterstützt,
die eigenen Fähigkeiten wieder wahrzunehmen, Kompetenzen wieder zu erkennen und
kreative Ansätze und Lösungsmöglichkeiten zu finden. Diese werden innerhalb
der Traumatherapie verdeutlicht, eingesetzt und erweitert. Bei Patientinnen,
die viele Bereiche der Stabilisierung bereits in der ambulanten Therapie erlernt
haben und die in stabilen inneren und äußeren Verhältnissen, ohne Täterkontakt
leben, ist ggf. eine Trauma - Exposition möglich. Hier werden einzelne, drängende
Trauma
ta
mit speziellen Techniken, die die Besonderheit der hirnphysiologischen Veränderung
berücksichtigen, bearbeitet (EMDR, Trimb, Screen-Technik etc.) Diese Techniken
sind so konzipiert, dass die seelische Stabilität nach Möglichkeit erhalten
bleibt und Retraumatisierungen vermieden werden. In
der Aufarbeitungsphase oder Integrationsphase, der letzten Phase der Traumatherapie,
geht es vor allem um die Trauerarbeit und die Integration des Erlebten in die
Lebensgeschichte sowie um Perspektivenentwicklung. Teilweise ist zu diesem
Zeitpunkt eine nochmalige Diagnostik sinnvoll. Dieser Bereich der Traumatherapie
wird häufiger im ambulanten Umfeld gestaltet, so dass in unserer Abteilung der Wicker-Klinik meist die Stabilisierungsphase, seltener die Trauma- Expositionsphase
und die Integrationsphase anstehen. Für
uns ist es wichtig für jede
einzelne Patientin die geeignete Phase der Traumatherapie zu finden, um ein möglichst
gutes Gelingen der Therapie zu ermöglichen.
Traumatisierungen: Zu
einigen Besonderheiten: Bei
Frauen, die länger Opfer sexueller Gewalt waren, kann es als Traumafolge häufiger
zu Selbstverletzungen kommen. Im Rahmen der Traumatherapie in der Wicker-Klinik werden mit den Patientinnen die Auslöser und die möglichen
Symbole der Selbstverletzungen erarbeitet. Es wird verabredet,
Selbstverletzungen zu zeigen, medizinisch versorgen zu lassen und es werden mit
den Patientinnen Alternativen zu den Selbstverletzungen erarbeitet. Für
Patientinnen mit
dissoziativen Identitätsstörungen als Folge extremer Gewalt
steht zunächst die Aufklärung über das Krankheitsbild der Persönlichkeitsspaltung
im Vordergrund. Weiterhin geht es dann oft um die Etablierung der Kommunikation
und Kooperation zwischen den abgespaltenen Persönlichkeitsanteilen. Diese
bildet häufig die Grundlage für ein angemessenes Verständnis und die Annahme
der Erkrankungen durch die Patientinnen.
Traumatisierungen: Zu
unserem Therapieansatz: Die
Station für Frauen nach Gewalterfahrungen ist eine Frauenstation mit einem
frauenspezifischen Ansatz, der unter anderem die gesellschaftliche Situation von
Frauen berücksichtigt. Die Behandlung erfolgt durch Ärztinnen und
Therapeutinnen sowie weibliches Personal in allen anderen Bereichen.
Für
viele sexuell trauma
tisierte Ein
weiterhin wichtiger Bereich in der Traumatherapie ist die Körperarbeit. Hier
wird unter anderem die Achtsamkeit für den Körper unterstützt und die Fähigkeit
gefördert, Körpersymptome als Signale wahrzunehmen. Die Patientin gewinnt
Schritt für Schritt ihr Gefühl für die eigenen Grenzen zurück und lernt
diese angemessen zu verteidigen. Es werden Energie- und Kraftquellen gesucht. In
der Einzelgesprächstherapie, wie auch in der Gruppentherapie, wird an der
Stabilisierung, Strukturierung und an den eigenen Ressourcen gearbeitet.
Regression wird begrenzt, die Arbeit erfolgt progressiv und prospektiv. Es geht
um das Erlernen alternativer Techniken und Bewertungsmaßstäbe und um die die
Erarbeitung des Flashback-Managements, zum Beispiel mit den oben beschriebenen
imaginativen Techniken. Notfalllisten.
Trauma
- Therapie für Menschen nach akuten Traumatisierungen: Es
handelt sich hier um eine gemischtgeschlechtliche Gruppe mit zurzeit noch 10
Behandlungsplätzen.
Für
Menschen, die nach akuten
Traumatisierungen
in die Abteilung Psychosomatik/ Psychotherapie der Wicker-Klinik kommen, gelten
dieselben Therapiephasen wie für Menschen mit länger zurückliegenden
Traumata.
Auch hier geht es um Stabilisierung, um Trauma-Exposition und um die Phase der
Integration. Aufgrund der meist im Erwachsenenalter erlebten
Besonders für Menschen aus helfenden Berufen wie Sanitätern, Polizei- und FeuerwehrmitarbeiterInnen, sind Traumatisierungen, die mit Gefühlen von Hilflosigkeit und Ohnmacht einhergeheb, sehr schwer auszuhalten. Die Folgen sind extreme Selbstzweifel und Verunsicherung, besonders bezüglich der beruflichen Identität und häufig längerer Arbeitsunfähigkeitszeiten. Um einer Chronifizierung mit der Ausbildung einer chronischen PTBS vorzubeugen, ist daher eine möglichst frühzeitige Traumatherapie besonders wichtig. Ziel ist es dabei unter anderem, die traumatische Erfahrung, mit dem Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit in das Selbstbild zu integrieren und so die Arbeits- und Leistungsfähigkeit zu erhalten oder wieder herzustellen.
Ihre
Dr. med. Marion Traub
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unsere Chefärztin im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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